|
|
Weltweite Wirtschaftskrise und wie die BW gegensteuert

Alfons Faymonville (r), Geschäftsführer (im März 2009 seit 20 Jahren in der BW tätig) sorgt sich mit seinem Team, -so wie viele Betriebe weltweit-, um die Zukunft seiner Werkstätte und den Erhalt der Arbeitsplätze seiner hundertköpfigen Mannschaft. Neben den Themen Wirtschaftskrise und Kurzarbeit, erkundigten wir uns bei ihm auch nach den Beschäftigungskriterien, ISO und Umbau.
Thema FinanzkriseSpürt die BW die aktuelle Wirtschaftskrise? Seit November 2008 spüren wir in der Beschützenden Werkstätte in Meyerode die Auswirkungen der Wirtschaftskrise. Während der Oktober 2008 noch von einer sehr starken Auftragslage gekennzeichnet war, ließen die Bestellungen ab November nach und bestehende Bestellungen wurden zeitlich gestreckt, so dass die Beschäftigungslage sich verschlechterte. Da wir viel für den Bausektor arbeiten ist es in den Wintermonaten immer ruhiger. So richtig machte sich die Wirtschaftskrise aber erst Anfang 2009 bei uns bemerkbar, was zur Folge hat, dass in manchen Abteilungen viel Kurzarbeit zu verbuchen ist.
Wie steuert die BW gegen? Durch eine Intensivierung der Akquisition und der Werbung. Natürlich ist die Arbeitssuche während der Krise schwieriger als zu „normalen“ Zeiten, da weniger Arbeit auf dem Markt ist und die vorhandene stärker umworben wird. Es stehen auch neue Projekte an, die sich durch die Krise zwar verzögern, aber trotzdem können dadurch teilweise frei gewordene Kapazitäten neu genutzt werden. Darüber hinaus wollen wir die ruhigeren Zeiten in der Produktion dazu nutzen, die Aus- und Weiterbildung unserer Mitarbeiter zu verstärken.
Thema KurzarbeitIn 2002 wurden nur 2% der geleisteten Stunden als Kurzarbeit ausgewiesen. Wie sieht der Anteil heute aus? 2007 lag dieser Anteil bei 5,7% und 2008 bei rund 10 %. Dieser Prozentsatz wird 2009 leider noch höher liegen.

Der Anteil der Kurzarbeit steigt seit 2007 wieder stetig an. Die niedrigen Werte um die Jahrtausendwende bleiben sicher auch für die kommenden Jahre nur Wunschtraum
Was kann dagegen getan werden? Hier zählen die gleichen Fakten wie bei der angesprochenen Gegensteuerung zur den Auswirkungen der Wirtschaftskrise. Um unserem Auftrag, der Beschäftigung von Personen mit Behinderung in dieser Krisenzeit besser gerecht zu werden, hat der Verwaltungsrat unserer BW der Direktion grünes Licht gegeben, in zeitlich begrenztem Rahmen neue Aufträge mit teilweiser Unterdeckung an Land zu ziehen.
Was unterscheidet die BW von einem normalen Unternehmen? Der Unterschied liegt in den beschäftigten Personen. Um die Fähigkeiten unserer behinderten Mitarbeiter zu nutzen ist mehr Betreuung am Arbeitsplatz notwendig, und außerdem wird meist langsamer gearbeitet. Um diese Nachteile auszugleichen, erhalten wir als Beschützende Werkstätte Zuschüsse. Oder anders umschrieben: In der Privatwirtschaft hat man ein Produkt oder eine Dienstleistung, und sucht sich zu diesem Produkt oder dieser Dienstleistung die passenden Mitarbeiter für eine optimale Herstellung und Vermarktung. Wir hingegen in der Beschützenden Werkstätte haben die Mitarbeiter vorgegeben, und suchen für diese Mitarbeiter die passende Arbeit.
Welche Personen beschäftigt die BW, nach welchen Kriterien? Die Aufgabe der BW ist es, behinderten Mitmenschen einen Arbeitsplatz zu bieten. Diese Personen gelangen meist über die Dienststelle für Personen mit einer Behinderung zu uns. Wir beschäftigen Menschen mit körperlicher und/oder geistiger Behinderung und auch Personen mit psychischen Schwierigkeiten. Umgeben sind diese 82 Mitarbeiter von 19 nichtbehinderten Menschen, die sich auf Verwaltung, Betreuung und Produktion verteilen.
Gibt es Wartelisten? Bisher gab es keine Wartelisten. Wenn die Situation mit der verstärkten Kurzarbeit jedoch anhält, macht es keinen Sinn, neue Mitarbeiter einzustellen. Dann könnte eine Warteliste entstehen.
Aus welchen Ortschaften/Gemeinden stammen die Mitarbeiter? Fast ausschließlich aus den 5 südlichen Gemeinden der Deutschsprachigen Gemeinschaft : Amel, Büllingen, Burg-Reuland, Bütgenbach und Sankt Vith. Eine Person wohnt in der Gemeinde Weismes, ein Betreuer in Kelmis.
Thema ISO-ZertifizierungWem nützt sie? Beeinflusst sie die Arbeit in der BW? Um einen Großkunden weiter beliefern zu können war es für uns zwingend notwendig, das Qualitätsmanagement nach ISO 9001:2000 einzuführen. Seit mehreren Jahren haben wir unsere interne Arbeitsweise umgestellt, um den Anforderungen dieses Qualitätssystems zu genügen. Gewisse Verwaltungsaufgaben sind hinzugekommen. Die bessere Dokumentation und die verstärkten Kontrollen führen dazu, dass weniger Fehler gemacht werden bzw. diese früher im Produktionsprozess bemerkt und behoben werden.
Bisher gute Erfahrungen gemacht? Qualitätsmanagement nach ISO 9001:2000 ist ein permanenter Prozess, der die ständige Auseinandersetzung mit der Arbeitsweise und der Organisation fordert. Dadurch werden regelmäßig Verbesserungen eingeführt, die sich letzten Endes als qualitätssteigernd und kostensenkend erweisen.
Thema UmbauWo liegen die entscheidenden Vorteile? 1987 ist hier in Meyerode für 60 behinderte Personen gebaut worden. Danach sind noch Produktions- und Lagerhallen hinzugefügt worden. Nach Schließung der Schreinerei konnte die frei gewordene Halle durch Abtrennen von Ein- und Ausgangslager für die Elektromontage hergerichtet werden. So wurde mehr Arbeitsfluss in den Ablauf der Elektromontage gebracht, was für die ISO-Zertifizierung dringend notwendig war. Der Umbau des Hauptgebäudes hat folgende Verbesserungen für unsere Mitarbeiter gebracht: Vergrößerung der Kantine, Einrichtung eines Besprechungsraumes, Einrichtung eines Ruheraumes, Verkürzung der Wege durch Schaffung eines Großraumbüros sowie einer professionellen Empfangsstruktur.
>> BW auf Titel der Aachener KIRCHENZEITUNG-Ausgabe Ostbelgien - Norbert Meyers berichtet auf drei Seiten wie wir uns gegen Krise und Kurzarbeit stemmen. >> Einige Bilder aus den umgebauten Räumlichkeiten >> Ein Blick in die Werkstätten – 2009 – Neue Einblicke
|
|
|